TM-Standpunkt
Thomas Müller
Crash-Phasen eröffnen stets die höchsten Gewinn-Chancen
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
die jüngsten Einbrüche haben jetzt schon Börsengeschichte geschrieben, wobei sich sicherlich jeder gerne die aktive Teilnahme an diesem Live-Event gespart hätte. Natürlich wird mit dem dritten Absturz seit 2000 die Aktienkultur in Deutschland einmal mehr einen deutlichen Dämpfer erhalten, doch extreme Phasen eröffnen auch extreme Gewinn-Chancen. Rückblick:
Der Dax hatte am 26. Juli bei 7349 Punkten geschlossen (lediglich 2,4% unter dem Jahreshoch), worauf acht Sitzungen mit Kursverlusten folgten. Mit per Redaktionsschluss noch 6236 errechnet sich für unseren Blue-Chip-Index ein Minus von 15%, ohne dass schon ein tragfähiger Boden abzusehen wäre. – Zumal das Kursgemetzel rund um den Globus stattfand und die überfällige Herabstufung der US-Bonität nun zu weiteren Turbulenzen führen dürfte. Deshalb:
Solange die Börsen einem Tollhaus gleichen, ist es vernünftig, diszipliniert unseren Anlagemodellen zu folgen, also vorerst mit hoher Liquidität an der Seitenlinie zu stehen. Die Welt wird nicht untergehen, und schon mit Blick auf die Kurse vor exakt einem Jahr relativiert sich das Gemetzel. Denn die Kursgewinne sind zwar massiv zusammengeschmolzen, doch der Dax liegt im Zwölf-Monats-Vergleich nun gerade 1,5% hinten. Für den Dow Jones errechnet sich ein Plus von 7,2%, und unser boerse.de-Champions-Index (BCI) hat mit +10,7% weiter die Nase vorne. Währenddessen konnte Gold 39% aufsatteln und Silber sogar 114%. Selbstverständlich bleibe ich dabei, dass – inmitten der größten Verschuldungsorgie aller Zeiten – Top-Aktien und Edelmetalle weiterhin die einzig sinnvolle Investmentmöglichkeit darstellen. Entscheidend:
Durch die Flucht in Sicherheit ist nun die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf den Rekordwert von nur noch 2,31% zusammengeschmolzen. Das bedeutet aber nicht einfach nur eine niedrige Verzinsung, sondern ein mehr oder weniger sicheres Verlustgeschäft. Die Zinsen werden über kurz oder lang auch hierzulande wieder ansteigen, was für Anleihenbesitzer Kursverluste bedeutet. Dies kann mit Blick auf die Endfälligkeit natürlich ausgeblendet werden, doch nach Abzug von Abgeltungsteuer sowie Soli verbleiben netto lediglich 1,71% p.a. (ggf. abzügl. Kirchensteuer). Die offizielle Inflation betrug im Juli aber 2,4% in Deutschland, und die tatsächliche ist – wie wir alle wissen – weitaus höher. Wer dem Staat also Geld leiht, verliert Geld. Demnach:
Die negative Realverzinsung macht Geldanlagen zu Verlustanlagen, womit auch das Argument „Sicherheit“ auf tönernen Füßen steht. Denn natürlich kann davon ausgegangen werden, dass die Bundesrepublik – als Einäugiger unter Blinden – ihre Anleihen zurückzahlen wird. Fraglich ist aber, welchen „Wert“ die Verbindlichkeiten/Forderungen von heute in Zukunft haben werden. In boerse.de finden Sie neue Finanzrechner, mit denen z.B. der Effekt verschiedener Inflationsraten durchgespielt werden kann. Sie sehen dort, dass sich schon bei p.a. 5% Geldentwertung innerhalb von fünf Jahren ein Viertel einer Geldanlage in Luft auflöst. Die politisch gewollte Inflation zu negieren ist aber der Kernfehler aller Rettungstipps, die nun massiv in allen Medien herumgereicht werden. Also:
Durch die negativen Realzinsen besitzt die große Sachwert-Hausse ein Absicherungsnetz. Geben Sie daher von Ihren Edelmetallen keine Unze aus der Hand und warten Sie geduldig auf die Signale zum Wiedereinstieg in Top-Aktien. Denn die höchsten Vermögenszuwächse werden stets „nach“ solchen Crash-Phasen erzielt.
Mit bester Empfehlung
Ihr
Thomas Müller
P.S.: Dies ist das Editorial aus dem boerse.de-Aktienbrief, den Sie hier kostenlos testen können.
